Spekulationsfieber – wer regelt endlich die Märkte?
Die Finanzkrise ist noch lange nicht überwunden.
Die drohende Zahlungsunfähigkeit des EU-Mitglieds Griechenland zeigt es ganz deutlich. Und die Zocker an den internationalen Finanzplätzen haben Blut geleckt. Ganze Staaten geraten ins Blickfeld der Spekulanten. Der Handel mit Kreditausfallversicherungen auf griechische Staatsanleihen blüht, der Euro gerät unter Druck. Schon befürchten manche das Ende der europäischen Währungsunion. Denn auch Portugal und Italien, Spanien und Irland stehen mit dem Rücken zur Wand. Das ausufernde Staatsdefizit der Briten bringt das Pfund in massive Schwierigkeiten.
Erneut erklingt der Ruf nach strikter Bankenaufsicht und schärferen Regeln für die Finanzmärkte. Deutschland und Frankreich ergreifen jetzt die Initiative. Merkel und Sarkozy wollen den Spekulanten Fesseln anlegen, im Zweifel auch im Alleingang. So sollen ungedeckte Leerverkäufe verboten, der Handel mit Kreditausfallversicherungen eingegrenzt werden. Finanzgeschäfte an der Börse vorbei sollen nur noch eingeschränkt möglich sein.
Weniger einig ist sich die EU in der Frage, wie man reagieren müsse, wenn ein EU-Mitglied – wie derzeit Griechenland – auf den Staatsbankrott zuschlittert. Überlegungen, einen Europäischen Währungsfonds einzurichten, stoßen nicht überall auf Gegenliebe. Viele halten die bestehenden internationalen Institutionen für ausreichend. Der Internationale Währungsfonds habe sich in Krisensituationen bewährt. Brüssel dagegen fordert einen europäischen Fond, auch um den Einfluß der USA zurückzudrängen. Die Bundesregierung arbeitet dann noch an einer anderen Idee: Sie will die Banken selbst zur Kasse bitten.
Unsere Gäste waren:
Moritz Döbler – Der Ressortleiter Wirtschaft des Tagesspiegels hat Betriebswirtschaft studiert und die Henri-Nannen-Journalistenschule absolviert. Er begann seine Laufbahn bei dpa und war unter anderem Polizeireporter in München sowie Sonderkorrespondent in Ruanda und Bosnien. 1999 wechselte er zu Reuters und war dort zuletzt als Leiter des Berliner Büros für die Berichterstattung aus der Hauptstadt zuständig. Seit 2005 ist er beim Tagesspiegel.
Marcus Walker - Der britische Staatsbürger wurde in Leipzig geboren und wuchs in England auf. Er zog 2000 nach Deutschland und arbeitet seitdem für The Wall Street Journal. Seit 2005 ist er in Berlin und schreibt über europäische Volkswirtschaft und deutsche Politik.
Frank Paul Weber - Seit 1999 arbeitet der Franzose als Korrespondent für die in Paris erscheinende Zeitung „La Tribune“. Er berichtet zunächst aus Deutschland und dann aus Italien.Vor seiner Tätigkeit als Auslandskorrespondent hat er als Sozialwissenschaftler an den Universitäten in New York, Paris, Berlin und Warschau gearbeitet. Heute lebt und arbeitet er wieder in Berlin.